Dienstag, 10. Dezember 2013

Musik aus Korsika: Die Sängerin Battista Acquaviva

Liebe BesucherInnen,
heute möchte ich Ihnen einen weiteren Beitrag aus der Reihe „Musik aus Korsika“ vorstellen. Und zwar die junge talentierte Sängerin Battista Acquaviva.

Musik aus Korsika: Die Sängerin Battista Acquaviva 
Battista Acquaviva ist eine junge Sängerin aus der Balagne, die ihre Karriere der Musik von Gestern, aber mit ihrer außergewöhnlichen Stimme auch der zeitgenössischen Musik gewidmet hat.
Sie gehört zu den wenigen Sängerinnen, die mit der Vox Sifflet, also im Pfeifregister (auch „Flageolettregister“ genannt) singen. Es ist das höchste Register der menschlichen Stimme. Es wird normalerweise benutzt, um Töne ab etwa c’’’ (c3 oder hohes C mit Tonfrequenz 1046,50 Hz) zu produzieren. Diese Töne erlauben abgesehen von Vibrato keine Artikulation und Vokaldifferenzierung mehr, da das menschliche Gehör anhand der wenigen noch hörbaren Formanten zu keiner spektralen Differenzierung mehr fähig ist.
Die Physiologie des Pfeifregisters ist das am wenigsten verstandene und erforschte Register der Stimme. Man nimmt an, dass diese Töne entstehen, wenn die Stimmlippen maximal angespannt sind und bis auf eine kleine Restöffnung geschlossen sind. Die Stimmbänder schwingen nicht oder kaum, der Ton wird ähnlich wie beim Pfeifen mit dem Mund durch die Luftverwirbelung hinter der Restöffnung hervorgerufen.
Auf Korsika wurde diese Technik von Ahnen zu Ahnen vermittelt und Battista ist heute eine der wenigen, die sie in die moderne Zeit hineinbringt.
Battista singt  überlieferte Weisen, begleitet von ihrer Mandoline auf traditionelle Art: Ihrer Stimme entspringt ein Doppelklang, der die alten Weisen aufleben und vibrieren last, man fühlt sich in die Zeiten von Gestern versetzt.



Ihr Vater, Nando, Musikologe, hat weitreichende Forschungen zu dieser Singtechnik und zur traditionellen Vokalmusik erstellt, und Battista lässt sie in der heutigen Zeit fortleben. Battista hat mehrere Alben herausgebracht, das letzte ist im Sommer 2013 erschienen:

Sound Ritual Project, in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Gitarristen, Karl Ritter, ein experimentelles Musikkunstwerk im kontemporären Stil.




Battista tritt u.a. regelmäßig auf dem Festland, in Europa und in der Schweiz auf und verzaubert ihr Publikum hier und überall. Hörproben, Diskografie und weitere Infos auf ihrer Homepage.





Ich habe Battista einige Fragen gestellt. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Interview

Battista, seit wann singen Sie und wer hat Sie in den Gesang eingeführt?
Es ist mein Vater, der Musikologe, Sänger, Interpret und Komponist ist, der mir das Singen  und die Musik beigebracht hat, aber er sagte auch, dass ich schon sang, bevor ich zu sprechen begann.

Sie haben eine außergewöhnliche Stimme und singen auf eine ganz bestimmte Art und Weise. Wie definieren Sie ihre Stimmlage? Und wo ist ihr Ursprung?
Der Ursprung meiner Art zu singen,  ist Korsika. Es ist Korsika, die mich inspiriert. Es ist die Stimme der Insel, präsentiert durch meine Stimme, die ich in der Mittellage und in der Hochlage intoniere. Die höchsten Tön entspringen einer Art dritten Stimme die ich besitze.

Kann man diese Technik erlernen, oder kann man sie nur mit der gewissen Ga anwenden?
Sicher gibt es eine Technik, aber ich stelle mir keine Fragen, sie ist einfach da, ich benutze sie, es ist eine Art von natürlicher Begabung. Wie schon gesagt, ist es eine Gabe, die man aber sicher fördern kann. Man kann durch Konzentration und stetige Übung noch einige Doppellaute mehr erzeugen. Doch an erster Stelle ist es eine Frage des Geistes, der Einstellung und des positives Willens oder Wollens, so wie beim Yogatraining, der Wille muss da sein, es schaffen zu wollen, sonst kann es nicht funktionieren, der Wille sollte vorhanden sein, sich selbst zu übertreffen, aber auf sanfte Weise, ohne erzwungene Anstrengung, aber mit Konzentration und Selbstüberzeugung.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt, eine kleine Anekdote, vielleicht?
Ich erinnere mich nicht im Einzelnen an meine ersten Auftritte, da ich noch sehr klein war, aber ich kann mich an eine Situation erinnern, als ich Jugendliche war: Da ich Perfektionisten bin, hatte ich allen Elan, mein Repertoire perfekt zu interpretieren, aber ich hatte den Eindruck völlig neben der Melodie der begleitenden Mandoline zu singen, und nicht das auszudrücken, so wie ich es mir vorgenommen hatte, es war mir sehr unangenehm,  als kurze Zeit Schweigen entstand, aber dann hat das Publikum begonnen,  schallend Applaus zu klatschen, und  das gab mir Mut, weiter zu machen. Und ich habe verstanden, dass die Sympathie des Publikums vor Augen gebracht hatte, dass ich beim nächsten Mal umso mehr zu Hause trainieren musste, was ich dann auch tat.
Eine andere kleine Anekdote, kann ich Ihnen zum Konzert im Mai in Wien in diesem Jahr erzählen, eine Generalprobe war vorgesehen, aber  irgendwie hatte ich das falsch verstanden, mit meinem noch nicht perfektionierten Englisch: als ich also die Bühnentür öffnete, und in den riesigen Saal eintrat, blieb mir die Luft weg, Kathedrale St-Étienne,  die größte der Stadt, und die bekannteste von ganz Österreich,  war angefüllt mit Publikum,  denn es  handelte sich nicht um die Generalprobe, sondern um die offizielle Aufführung für Presse und allerlei VIPS. Ich stand da mit offenem Mund, in Jeans und Schlappertshirt, und umklammerte meine Mandoline. Foto- und Fernsehkameras waren auf mich gerichtet, Blitzlicht überall. Ich fasste mich dann schnell und trug mein Repertoire vor. Die Kritiken waren sehr gut, mein Auftritt hatte positiven Anklang gefunden, und auch mein Outfit war nicht unangenehm aufgefallen. Das ist es eben, die korsische traditionelle Musik ist in erster Linie reine Improvisation, perfekt angewendet.

Sie singen traditionelle Weisen, nehmen aber auch an avantgardistischen Musikprojekten teil. Gibt es Ihrer Meinung nach eine Verbindung zwischen den beiden Stilen?
Die Verbindung zwischen den beiden ist, das die korsische Musik universell und eternell ist, d.h. sie ist überall und in vielen Bereichen vortragbar, in seiner puren traditionellen Form, sagen wir mal, durch die Stimme und die Sprache allein, oder begleitet von modernen Instrumenten oder Soundumgebungen, so wie in dem Projekt, kontemporärer Musik,  an dem ich teilgenommen habe. Damit möchte ich unter anderem, viele Musikgeschmäcker erreichen, älteres wie auch junges Publikum.

Wenn Sie einen anderen Musikstil singen würden, welcher wäre das? Jazz, Rock, Blues, Opera…?
Die Oper liegt mir sehr nahe, besonders die Opern in denen ich  im Koloratur Sopran singen kann, wie bei einem Festival „ les oiseaux dans la charmilles“ von Offenbach nach den Erzählungen von Hoffmann, oder „le rossignol„ von Alabiev.

Welche Projekte haben Sie für das kommende Jahr? 
Ich möchte gerne meine eigenen Kompositionen realsieren, in erster Linie in korsischer Sprache, aber auch andere Variationen, als CD veröffentlichen, um die Musik aus Korsika so weit wie möglich zu verbreiten.
Ebenso bin ich in mehreren karikativen Organisationen aktiv, mit denen wir  Wohltätigkeitskonzerte für gute Zwecke veranstalten, so wie u.a. für die korsische Krebsliga.
Auch arbeite ich an einem Buch zusammen mit meinem Vater, über die traditionelle korsische Musik.
Obwohl ich meine Konzerttourneen für ein Jahr unterbrochen habe, in denen ich rumgereist bin, um zahlreiche Verträge für kommende Veranstaltungen in Wien, Canada, usw. zu unterschreiben, bleibt mir zwischen Pressevorstellungen und Werbe Tourneen  nur wenig Zeit, da ich  gleichzeitig noch dabei  bin, mein Studium zu vollenden. Aber in den nächsten Monaten beginne ich eine neue Tournee.
Im April 2014 werde ich drei Konzerte in Quebec in Canada  geben, bei denen ich fast eine Stunde traditionelle Gesänge, und eine weitere Stunde lyrischen Gesang begleitet von einem klassischen Pianisten vortragen werde; in meinem Repertoire sind klassische Koloratur Arien wie das Ave Maria und das Laudate Dominum von Mozart vorgesehen.
Im Mai (21.05.2014 und 22.05.2014) werde ich in Ajaccio an der Kreation Sophoclea, der Choreografin Karine Saporta teilnehmen, in der ich die Sophoclea interpretiere.
Danach folgt wie gewöhnlich meine Sommertour auf der Insel, und zu Weihnachten 2014 wird voraussichtlich meine neue  CD erscheinen, bei der ich von Ceccè Pesce der Chjami Aghjalesi begleitet werde.
Doch vorerst gebe ich am 18. Dezember 2013  ein Konzert in der Kirche von Partinello an der Westküste, nahe Porto,  und dann geht es erst mal wieder nach Österreich, wo ich am 22. Dezember 2013 im Club Porgy And Bess in Wien auftrete, und zusammen mit dem Gitarristen Karl Ritter unser zeitgenössisches Musikprojekt „Sound Ritual“ präsentiere.

Vielen lieben Dank, Battista, viel Glück mit Ihrem reichhaltigen Programm Ihren kreativen Projekten.

Zusammenfassung ihrer Konzertdaten 
2013
18. Dezember 2013 in Partinello ab 18 h
22. Dezember 2013 im Club Porgy And Bess in Wien/Austria

2014
13. April  2014 in Québec, im Museum l'Amérique française, um 14.30 Uhr;
14. April 2014 in Québec, in der historischen Kapelle vom Museum l’Amérique, ab 19.30 Uhr;
15.  April 2014 in  Montréal, im Kulturzentrum Mont-Royal, ab 20.00 Uhr;
21. Mai 2014 und 22. Mai 2014 in Ajaccio; Kreation Sophoclea;
Sommer Tournee auf Korsika

Weitere Infos und Aktuelle Konzertdaten gibt dann auf unseren Korsika Musik & Kultur Agendaseiten


© Miluna Tuani

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