Donnerstag, 8. März 2012

Musik aus Korsika: Jacques Culioli Teil II - l’Ossi del mondu - Das Gerüst der Welt

Liebe BesucherInnen,
heute möchte ich Ihnen den zweiten Teil des Artikels über Jacques Culioli vorstellen, der sich hauptsächlich mit seinem letzten Album L’ossi del mondu beschäftigen wird.

Ich habe es mir erst einmal angehört, um es auf mich wirken zu lassen, dann beim zweiten Mal, schaute ich mir die Texte gleichzeitig mit an, und dann beim dritten Durchlauf, habe ich schallend mitgesungen, Spaß bei Seite, hier die wichtigsten Eindrücke:
Da ist zuerst seine eindrucksvolle Baritonstimme, patiniert durch die Zeit, natürlich warm, tief, klar, deren Farbspektrum eine weitreichende Empfindungspalette durchläuft und mit einer Aufrichtigkeit  Mitten das Herz des Zuhörers trifft.
Dann sind da die Texte, von einer Einfachheit und doch verschlüsselt, manchmal abstrakt, aber mit starken humanistischen Botschaften.
Stimme und Texte sind begleitet von lebendiger, getragener, aber auch melancholischer Musik, von keltischen, südamerikanischen und südländischen Klängen inspiriert.
Das Album enthält zwölf Lieder, die die ZuhörerInnen auf eine musikalische Reise nach Korsika, aber auch über den Neapel, Irak und Ozeanien, bis nach Verdun einladen.

Ich habe Jacques Culioli getroffen, um ihm einige Fragen u.a. zu seinem letzten Album zu stellen:
Mein letztes Album, trägt den Titel L’Ossi del mondu und ist im vergangenen April erschienen.
„L‘Ossi del mondu“ bedeutet das „Knochengerüst der Erde“, auf Korsika bezogen, das Felsmassiv der Insel ist das Skelett, und die Erde und die Landstriche sind der Körper. Felsenmassiv und Erde sind eine Einheit, werden sie mit Gewalt voneinander getrennt, geht die Harmonie der beiden Naturgewalten verloren und die Disharmonie führt zur Zerstörung. Im übertragenden Sinne, wird Felsmassiv abgetragen, es kommt zu Erosionen, Landteile rutschen ab, Flora und Fauna werden zerstört. Das ist der ökologische Aspekt der Botschaft dieses Albums, aber auch des gleichnamigen Coverliedes.
Der politische Aspekt dieser Botschaft ist es, aufmerksam auf den Widerstand gegen die Grundspekulationen zu machen, denn immer mehr vererbte Landstriche werden an Immobilienspekulanten verkauft, die die schönsten und naturbelassensten Landstrichte der Insel vor allen Dingen im Süden abforsten, betonieren und mit Wohnsiedlungen bebauen. Der Zwiespalt zwischen den beiden Extremen, dem Naturschützer und dem auf Ertrag aus lechzenden, wird indem Lied l’ossi del mondu zur Schau getragen. (Übersetzung siehe unten).

Im ersten Lied des Albums „Vintilegni“ werden geschichtliche Ereignisse angesprochen. Vintilegni ist ein Landstrich, im extremen Süden Korsikas zwischen Porto Vechjiu und Bonifacio, bestehend aus mehreren zauberhaften und naturbelassenen Stränden, die teils nur zu Fuß erreichbar sind. In Vorzeiten fand dort eine blutige Schlacht statt: Dörfer wurden von Piratenvölkern angegriffen, doch die Bewohner verteidigten sich mutig, und gewannen die Schlacht gegen die Angreifer. Der Name stammt vom Ausruf, „Vintilegni  - Zwanzig Maate“ der nahenden Piratenschiffe, die gesichtet wurden. Dieser Ort ist ein symbolträchtiger Angriffspunkt, da in der heutigen Zeit, die Immobilienspekulanten das korsische Küstenland im Süden überrennen und niedermetzeln, wie damals die Piraten …
„IRAK“ spricht das tragische Los der Menschen im Irak an, die Opfer einer Explosion einer Bombe auf einem Marktplatz wurden und bei einem Anschlag im Namen der Demokratie starben.
"Marinaru" ist eine Hommage an die Seemänner von Gestern, die von festem Land träumten, doch ihr Leben waren die fernen Horizonte, die unzähligen angelaufenen Häfen und immensen Buchten, bis eines Tages, auch ihre letzte Seereise beginnt.
„Jarawa „ ist eine Hommage an ein Naturvolk der Andamaninseln im Indischen Ozean, den Jarawa, das den Tsunami von 2006 dank seinem Vertrauen in seine altüberlieferte Naturreligion überlebt hat.
„Re volver“ ist eine Adaption in korsischer Sprache des berühmten Tangos der chilenischen Gruppe Quilapayùn, die ihr Konzert im Kulturzentrum von Porto-Vecchio gegeben hat. Das Lied befasst sich mit der Rückkehr aus dem Exil und seine dazugehörigen Schwierigkeiten.
„Verdun“: Der Text von „Verdun“ beruht auf den Tagebuchaufzeichnungen eines unbekannten korsischen Soldaten, der als Augenzeuge von dem Kriegsgeschehen inmitten der Schlacht bei Verdun 1920 berichtet.
"Eterna lea" - Trotz der Distanz und der Zufälle des Lebens bleibt das unsichtbare Band zwischen einem Vater und seiner Tochter ewig bestehen.
"Nessun Dorma und Cori‘ngratu" - Dank meiner Stimmausbildung im regionalen Konservatorium, der lyrischen Gesangsklasse von Guy Lacairie, habe ich mich an zwei berühmte Arien herangewagt, die sehr anspruchsvoll sind: "Core ' ngrato" (vom neapolitanischen Dialekt ins korsische übersetzt), gesungen u.a. von Enrico Caruso und Tino Rossi; sowie "Nessun Dorma", eine Tenorarie aus  "Turandot" von Puccini.
„Sona Anto“ ist eine Hommage an den berühmten Mandolinenspieler und talentierten Sänger, Antoine Albertini, der über die gesamte Insel reiste und seine Zuhörer mit seiner Mandoline und seinem Gesang bezauberte.
„Alcudina“: Korsika ist ein zerklüfteter Felsen im Mittelmeer. Einige Orte sind spezifisch, es sind Strahlungsfelder, die gleichzeitig in sich verschlossen und nach außen geöffnet sind. In jedem Korsen und in jeder Korsin reflektiert sich ein solcher Ort in seinem Inneren und bringt ihn oder sie zur Raison. Dieser außergewöhnliche Ort ist der Sammelpunkt unserer Gedanken und die unserer Kinder. Er ist unser Anhaltspunkt in Zeit und Raum. Es ist dieses Bergmassiv, das wir "Alcudina" nennen, es schützt uns, es erhebt uns in höhere Ebenen des Verstandes, um uns zu lehren, die Worte unserer Sprache und die unseres Landes zu konstruieren. In diesem Lied wird also nicht nur die Schönheit des Monte Alcudinas besungen, sondern auch von den Gedanken und Gefühlen von jemanden erzählt, der sich inmitten dieser archaischen zauberhaften Natur beim Anstieg auf dem Gipfel befindet, um in seinen Höhen Klarheit und Einsicht des Verstandes zu finden.

Weiterhin habe ich Jacques Culioli gefragt, wie er Musiker geworden ist:
In gewisser Weise bin ich gezwungener Massen Musiker geworden, da ich von Anfang an von Musikern und Sängern umgeben war. Der Ursprung dieser Passion ist natürlich auch unsere Insel, auf der man im Einklang mit der Natur lebt und für die man existiert, und die einem ohne Unterlass Inspiration für seine künstlerischen Projekte liefert.
So oder so, ich glaube man wird nicht Musiker, man wird einfach da hinein geboren und das Leben, die Begegnungen und die Erfahrungen, die man macht, helfen einem dabei mit der Zeit, seine musikalischen Kreationen zu verwirklichen und zu vervollständigen. So ist es jedenfalls bei mir.

Auch wollte ich wissen, wie er die Entstehung eines neuen Liedes vorbereitet:
Sobald mich ein Thema anspricht, diskutiere ich mit den Autoren darüber, die an meinen Alben und mit mir zusammen arbeiten, und dann versuchen wir, dieses Thema musikalisch auszubauen.

Und was es für Ihn bedeutet Musiker zu sein und zu singen?
Musiker zu sein und singen ist in aller erster Linie eine Chance, die die Zufriedenheit mit sich trägt, das Essentielle in Form von Musik zu vermitteln.

Ich fragte ihn noch, an welchem Ort des Planeten er gerne ein Konzert geben würde und warum?
Ich würde gern an jedem Ort der Welt auftreten, an dem meine Stimme und meine Musik dem Publikum zusagt, und wo man meine Botschaft versteht, das die Musik Balsam für Herz und Seele ist und hilft, alle nur erdenklichen Lebenssituationen zu meistern.

Last not least, stellte ich ihm die Frage, welche musikalischen Projekte er im Moment verfolgt?
Ich arbeite zu Zeit an einem Album, auf dem Kinder für Kinder singen werden, um Projekte pädagogischer Reisen zu finanzieren.

Herzlichen Dank an Jacques Culioli für das Interview und seine Zusammenarbeit!

Und hier präsentiere ich Ihnen die Übersetzung des Coverliedes gefolgt von einer Hörprobe:

L’ossi del mondu - Das Gerüst der Welt

Gebirge im Meer,
umrandet von Salzwasser umschäumten Küsten
künstlich geschaffenes Paradies,
von einem verheiligt
vom anderen verherrlicht


Hitze des Sandes und der Sonne
Entflammt durch die Liebe
Mein Traum ist der Deine
Ein Erbe zu teilen


Ruhe, ewige Stille
Hält das Inferno weit von mir entfernt
Eine übernatürliche Stille
bietet mir ihren Schutz an


Ebenen und wüstengleiche Landstriche
mit unbeweglichen Baumgruppen bedeckt
man wartet auf eine Entscheidung von mir,
diese Stille gehört mir,
und ich gebe ihr einen Sinn
und ich nehme diese Ruhe in Besitz
und die abgelegensten Verstecke
Das Meer und der Ertrag werden mir gehören
Und auch die Sonne wird  mein sein


Verkaufe mir deine Seele
Und deine Familiengüter
Du wirst schließlich Besitzer sein,
deine Vorfahren verleugnend


heute werden wir aus der Gegend
ein Niemandsland mit Schlössern darauf gestalten
die Ruinen unserer Gefühle
unter der Leere der Felsenmassen verstecken


alles wird überrannt werden
mit Fertighäusern
Die Pfade aus alten Zeiten
werden für immer zerstört


Und dein Vergessen
Wird auch das meine sein
Wenn wir das Gerüst dieses Landes Zerstören
Sähen wir unseren Untergang


Wir werden  Gewalt anwenden
und dein Bewusstsein ,
Freigebigkeit
und auch deine Unschuld
werden uns gehören
und jeder Glaubensakt wird zum Kreuzweg


Getreidefelder soweit das Auge reicht
dichtbevölkerte Hirtenhütten
Weizenmehl zur Brotherstellung
Angefüllt mit dem Gesang der Wiegenlieder


Unsere so heiligen Eichenhaine
Häuser mit Licht und Wärme
Reichhaltige Ernte der Eicheln
Nahrung für das ebenso heilige Mufflon


Weitreichende Felder  wilden Thymians
Das Kraut gegen alles Leiden
Dem Hirten geliebtes Manna.
Quelle alle guter Dinge.


Steilküsten, schroffe Felsen im Meer,
Siedlung der Amsel und der Seeigel,
Böschungen in voller Blüte
Ein vitaler Lebensraum


Das Bewusstsein wird mir gehören
Deine Gewalt wird zur Wissenschaft
Jedem gut überlegten Schritt
Liegt das Vertrauen zu Grunde
Jeder Stein, jedes Stück Land wird uns gehören
Die großen Projekte werden unser sein.

Übersetzung Miluna Tuani





Jacques Culioli gibt seine nächsten Konzerte zusammen mit seiner Musikschulformation „ARAPA“ in der Kirche von LA BRESSE, am Samstag den 24. März um 20.30 und am 25. März um 14.00 Uhr in der Kirche von Cornimont in den Hoch Vogesen im Elsass. (Reservation notwendig unter 0033 646 21 22 31)
Weitere Konzerte u.a. auf Korsika gebe ich rechtzeitig bekannt.

Das Album kann direkt über mich bestellt werden, dazu bitte eine Mail an milunatuani@gmail.com schreiben. Stichwort „L’ossi del mondu“

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Liebe Grüße,
Miluna


© Miluna Tuani

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