Dienstag, 20. Dezember 2011

Riten und Bräuche auf Korsika: Weihnachten auf Korsika - Gestern und Heute



Liebe BesucherInnen,
in dieser Woche werde ich Ihnen passend zur Saison weihnachtliche Themen in meinen Posts präsentieren. Heute beginnen wir mit einem Beitrag aus der Reihe  „Riten und Bräuche auf Korsika“.

Weihnachtsriten auf Korsika

Nur wenige Bewohner zelebrieren heute noch das Weihnachtsfest nach alten überlieferten Sitten und Bräuchen, und doch gibt es immer noch Bewahrer dieser alten Traditionen.

Einst wurden drei Messen in der Weihnachtsnacht zelebriert, die erste um Mitternacht, in der heilige Paghjelle von den Paghjellari (Alcapellasängern) des Dorfes gesungen wurden, die zweite folgte dann vor Sonnenaufgang des 25. und die dritte Messe fand gegen Mittag des 25.12. statt.

Ein enormes  Holzfeuer wurde auf dem Dorfplatz nach der Mitternachtsmesse entzündet. Dieses Feuer symbolisierte Schutz vor Krankheit und Missgeschick. Jeder  Dorfbewohner nahm die Glut des Feuers zu sich nach Hause, um sein Kaminfeuer damit zu entfachen. Nach alter Tradition wurden in das offene Kaminfeuer des Hauses so viele Scheite gelegt, wie es Mitglieder in der Familie gab. Es verbreitete sich der Aberglaube, dass wenn ein Scheit für ein Familienmitglied vergessen wurde, es einen Sterbefall in der Familie geben würde.

In der Weihnachtsnacht blieben auch die Türen unverschlossen, da nach altem Glaube, die Verstorbenen Familienmitglieder nachdem sich alle zur Ruhe gelegt haben, kommen, um sich an den extra für sie aufgehobenen und aufgetischten Speisen des Mahls zu laben.

Auch wurde in der Heiligen Nacht der Ritus des „Ochjiu“, (Exorzismus gegen einen auferlegten Fluch) von einer Weisen Frau des Dorfes an eine Neueinzuweihende übermittelt. Dieser Ritus wird heute immer noch angewandt. Mehr dazu in einem meiner älteren Posts.

Ein typisches Weihnachtsmenü, dass auch heute noch weit verbreitet ist, beginnt nach der Mitternachtsmesse: man beginnt mit Lonzu und Coppa und grillt die Figatelli auf der Glut des offenen Kaminfeuers, dazu serviert man Pulenda aus Kastanienmehl und in Scheiben geschnittenen Brucciu. Als Hauptgericht gibt es Zicklein- und Lammbraten, der mit kleinen Frühkartoffeln im Ofen gebacken wird. Zum Abschluss eine Auswahl verschiedener Käsetorten aus Ziegen- und Schafsmilch, die von hausgemachter Feigenmarmelade begleitet, genossen wird, und der bekannte Fiadone, (Frischkäsekuchen).  Myrten- und Obstlikör runden das Mahl ab.

Man wünschte sich  „Bon ‘Natale „ und  „Pace et Salute" - Frohe Weihnachten und Gesundheit und Frieden

Das heutige Weihnachtsfest auf Korsika
Heutzutage wir auf Korsika Weihnachten wie auf dem Festland gefeiert: der Weihnachtsmann (Babbu Natale) bringt Geschenke für die Kinder, die Familie  feiert gemeinsam bei einem gemeinsamen Festessen (Réveillons), das nach der Messe beginnt.
Als Vorspeisen werden  lokale Meeresfrüchte  serviert, wie Austern vom Diana- und Urbinohafen, korsischem Kaviar (luftgetrocknete Fischeier), Seeigel und andere Köstlichkeiten aus dem Meer sowie Aufschnittplatten aus lokalen Hartwurstwaren. Als Hauptspeisen werden  mit Maronen gefülltes Geflügel, gegrilltes Zicklein, Lammbraten, und Rinderrollbraten aufgetischt, dazu gibt es Pulenda aus Kastanienmehl und  korsische Lasagne. Die Nachspeisen bestehen aus Obst, Käse,  Süßspeisen, Gebäck und Kuchen aus Kastanienmehl, aber auch aus der typisch französischen „Bûche de Noel“ im korsischen „Ceppu di Natale“ genannt. Dabei handelt es sich um eine gefüllte Kuchenrolle in Form eines Holzscheites, die heute auf keiner Festtagstafel als Dessert mehr fehlt, die aber mehr und mehr mit korsischen Zutaten vor Ort hergestellt wird. Champagner  wird  zu Pralinen und kandierten Früchten (Cedrat) gereicht und  rundet das moderne Weihnachtsfestessen ab.

In einem nächsten Post stelle ich Ihnen einige Rezepte aus dem korsischen Weihnachtsmenü vor, so z.B. Seeigel-Rührei,  Zickleinbraten und den Ceppu di Natale, eine weihnachtliche Kuchenrolle nach korsischer Art!

Frohe Vorweihnachtstage wünscht Ihnen,
Miluna







© Miluna Tuani

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